„Berlin pulsiert und der Rock n Roll ist unsere Berufung.“ So wirbt Berlins größter „Anbieter von Veranstaltungsdienstleistungen“ 36 Stage XL GmbH. Das Unternehmen organisiert Konzerte von Klassik bis Hiphop, in kleineren Clubs und auf den größten Bühnen der Hauptstadt. Damit die Fans in den Musikgenuss kommen können, ist harte (Bühnen-)Arbeit nötig – im Fall von 36 Stage XL schlecht bezahlte, gefährliche und extrem prekäre Arbeit. Ohne sie läuft nichts.

Die Mehrzahl der Beschäftigten haben befristete Verträge. Das Unternehmen nutzt eine besondere Form von Arbeitsverträgen, die unständige Beschäftigung. Für die Betroffenen bedeutet das konkret: Arbeitsschichten werden kurzfristig und intransparent vergeben – und entsprechend unsicher ist, ob der Verdienst zum Leben reicht. Vergehen mehr als 21 Wochentage zwischen den Arbeitseinsätzen, erlischt die Krankenversicherung. Arbeitsunfälle, deren Behandlung (und Bezahlung) führen immer wieder zu Konflikten mit der Geschäftsführung. „Wir wissen nie, wie viel Geld wir am Monatsende haben“, erklärt Gérman G. „Es gibt keine feste Menge von Arbeitsstunden, keine sichere Krankenversicherung, keinen Urlaubsanspruch oder Krankengeld.“ Beschäftigte, die zu viele Fragen oder Ansprüche stellen, muss das Unternehmen nicht einmal entlassen – sie riskieren, in Zukunft keine Schichten mehr zu bekommen.

Im Jahr 2024 fanden sich Beschäftigte von 36 Stage XL in einer Betriebsgruppe zusammen. Zusammen mit der Freien Arbeiter:innen Union (FAU) fordert sie unter anderem wirksame Vorkehrungen gegen Überlastung und Unfälle und eine bessere Planbarkeit der Arbeitsschichten. Aber seit einem Gespräch im Frühjahr mauert das Unternehmen. Die Beschäftigten werden mit dem Versprechen auf Verbesserungen vertröstet. „Wir werden nicht aufhören, unsere berechtigten Forderungen zu stellen“, sagt Chris H., Mitglied der FAU Berlin. „Wir lassen uns nicht ignorieren.“

Am 15.10. um 19 Uhr findet eine Demonstration der Bühnenarbeiterinnen und Bühnenarbeiter vor der Uber-Arena statt, vor einem Konzert von The Strokes.

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Kontakt Email: faub-presse@fau.org
Mobiltelefon: 015 79 23 67 310

Stage Workers United

Kernforderungen

  • Einhaltung rechtlicher Vorgaben (u.a.: pünktliche und vollständige Lohnzahlungen, Bezahlung von Urlaubszeit und im Krankheitsfall, Maßnahmen für Arbeitssicherheit am Arbeitsplatz)
  • Das Recht für alle Beschäftigten auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag oberhalb eines Mini-Job-Vertrags
  • Eine Lohnerhöhung von 2,50 Euro pro Stunde
  • Schutz vor Diskriminierung und Belästigung am Arbeitsplatz
  • Übernahme der Kosten für An- und Abfahrt zum bzw. vom Einsatzort

Zeitleiste

Sommer 2023: Erste Klage gegen 36 Stage XL wegen der Kündigung eines FAU-Mitglieds

Mai 2024: Gründung der Betriebsgruppe

Juni 2025: Die Website „Stage Workers United“ geht online

Dezember 2025: Ein FAU-Mitglied wird nachdem es ausstehenden Lohn gerichtlich einforderte entlassen

6. Februar 2026: Erstes Forderungsschreiben an die Geschäftsleitung, in dem Verhandlungen über die Verbesserung der unsicheren Arbeitsbedingungen, gefordert werden

20. Februar 2026: Zweites Forderungsschreiben an die Geschäftsleitung, in dem erneut Verhandlungen gefordert und die Veröffentlichung der Forderungen gegenüber allen Beschäftigten sowie der Öffentlichkeit angekündigt werden

9. März 2026: Offener Brief an alle Beschäftigten

11. März 2026: Drittes Schreiben an die Geschäftsleitung, in dem diese über den Offenen Brief informiert wird und die Forderungen nach Verhandlungen erneut bekräftigt werden

30. März: Arbeitskonflikt wird publik gemacht

„Nicht auf unserem Rücken!“ – Bühnenarbeiterinnen und Bühnenarbeiter bei 36 Stage XL wehren sich
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