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Stahlwerk Ilva in Taranto: „Lieber Krebs als Arbeitslos“?

Veröffentlicht am 01.05.2013 Kategorien: , ,
Mit dieser Losung auf ihrem Transparent haben ArbeiterInnen am 2. August letzten Jahres im süditalienischen Taranto für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze im Stahlwerk Ilva demonstriert. Ist die Situation wirklich so aussichtslos? Gibt es nur die Möglichkeit entweder an Krebs zu erkranken oder arbeitslos zu werden?
Stahlwerk Ilva in Taranto: „Lieber Krebs als Arbeitslos“?

BürgerInnen und ArbeiterInnen im süditalienischen Taranto wehren sich

Mit diesen Fragen wollen wir uns auseinandersetzen und darüber wollen wir informieren. Das erste Flugblatt haltet Ihr in den Händen. Zudem suchen wir den direkten Kontakt mit den Betroffenen vor Ort, die heute am ersten Mai auf die Straße gehen. Das tun wir auch hier! Der richtige Tag also, um unsere Solidarität mit den ArbeiterInnen und der unter Umweltbelastungen leidenden Bevölkerung Tarantos zu zeigen und zu einer ersten Informationsveranstaltung einzuladen.

Infoveranstaltung

Samstag, 25.5. um 18 Uhr

FAU-Lokal, Lottumstr. 11, 10119 Berlin (U8 Rosenthaler Platz / U2 Rosa-Luxemburg-Platz)

Informationen zur Einführung in die Thematik mit einem Journalisten aus der Region und einem Aktivisten des „Comitato cittadini e lavoratori liberi e pensanti“ aus Taranto

Kontakt: taranto-soli@fau.org

Download: Flugblatt 1. Mai

Der Industriekomplex Ilva in Taranto, eines der größten Stahlwerke Europas, ist seit 50 Jahren in Betrieb und seit 1995 im Besitz der Familie Riva. Mit dem Erwerb dieses Stahlwerks hat sich die Riva-Gruppe einen strategisch günstigen Standort gesichert. Der Überseehafen ist ideal für die Zulieferung von Erz und Zuschlagsstoffen aus der ganzen Welt. Das zusammen mit dem nahen Kalkabbau bietet optimale Bedingungen für das Betreiben der Hochöfen. Hierzulande besitzt Riva drei Werke in Hennigsdorf (bei Berlin), Brandenburg an der Havel und Lampertheim mit insgesamt ca. 1600 Beschäftigten.

Bei der Übernahme des Stahlwerks Ilva wussten die daran Beteiligten, dass die Emission krebserregender Stoffe stark verringert werden muss. Die Jahresproduktion von ca. neun Millionen Tonnen Stahl-Fertigprodukten wird von zwei (von fünf vorhandenen) Hochöfen abgesichert. Diese bilden zusammen mit der Mineralstoffwirtschaft, den Sinteranlagen, der Kokerei und den Abraumhalden die „Dreckschleuder(n) Italiens“. 30% des Dioxinausstosses der EU und 92% Italiens werden durch das Ilva-Werk produziert.

Bereits 2004 kam die erste Anordnung zur Schließung von Werksteilen zum Schutz der Gesundheit von Belegschaft und Bevölkerung. Diese wurde aber nicht umgesetzt, wie viele richterliche Werksteilschließungen bis Anfang 2013 trotz anders lautender Presseberichte. Politiker aller Schattierungen, die gerade an der Macht waren, verhinderten Teilschließungen, oder die Unternehmensleitung scherte sich einen Teufel um die Anordnung. So starb am 30. Oktober 2012 ein Arbeiter bei einem Arbeitsunfall in einem eigentlich stillgelegten Teil des Werkes.

Das Erpressungspotential von Riva ist enorm: Die ganze Region lebt in Abhängigkeit von dem Werk. Und die Abhängigkeit verschärft sich mit jeder weiteren Vergiftung von Luft,Wasser und Boden. Denn viele andere Erwerbsquellen der Bevölkerung gehen durch die Umweltbelastungen verloren. So ist der traditionelle Verkauf von Miesmuscheln aus der Bucht von Taranto verboten, Tiere dürfen nicht auf die Weide, landwirtschaftliche Flächen nicht genutzt werden.

Und die Erpressung zeigt Wirkung. Trotz des Wissens um die todbringenden Umweltbelastungen stellten sich die drei Hauptgewerkschaften (FIM, FIOM, UIM, die Metallgewerkschaften der „Confederali“) weitgehend auf die Seite der Firmenleitung. Derweil wuchs der Unmut in der Bevölkerung, aber auch unter den ArbeiterInnen.

So kam es am 2. August zur Konfrontation einer Pro-Riva-Demonstration mit dem selbstorganisierten Teil der ArbeiterInnen (u.A. vom „Comitato cittadini e lavoratori liberi e pensanti“), denen das Rederecht verweigert wurde. Sie ließen sich aber nicht den Mund verbieten, kappten die Mikrofonleitung, wodurch die Rede des Chefs der Metallgewerkschaft FIOM unterbrochen wurde und das Komitee von einer anderen Stelle des Platzes aus, ihren Standpunkt darstellen konnte: Gesundheit darf nicht gegen Arbeitsplätze ausgespielt werden! Weiterhin prangerten sie die Korruption in der Fabrik und bei den großen Gewerkschaften an.

Dieser Tag war ein wichtiger Wendepunkt im Kampf gegen die Zerstörung von Leben und Umwelt bei Ilva und in Taranto, denn viele ArbeiterInnen begannen an der bisherigen Version zu zweifeln, das Konstrukt aus Desinformation, Lüge und Verschweigen zu zerreissen und sich der selbstorganisierten Bewegung von Bürger- und ArbeiterInnen anzuschließen.

Auch die „linkere“ FIOM löste sich schließlich von ihrer bisherigen Position; nach der Schließungsandrohung und Aussperrung von 5000 ArbeiterInnen durch die Geschäftsführung auf Grund des Haftbefehls gegen Fabio Riva (Emilio und Nicola Riva saßen schon länger im Hausarrest). Insgesamt setzte in der Belegschaft und Teilen der Gewerkschaften ein Umdenken ein. Der Gegensatz der Transparente „Lieber Krebs als arbeitslos“ und „Fürs Sterben durch Krebs stehen wir nicht zur Verfügung“ steht symbolisch für diese Entwicklung.

Doch was geht uns das an? In Berlin, in Hennigsdorf oder in Brandenburg an der Havel? Die Frage , die hier auf der Tagesordnung steht – „Arbeit wirklich um jeden Preis?“ – stellt sich vielerorts auf der ganzen Welt. Die Niederlagenliste ist lang, auch weil eine Solidarisierung mit den Betroffenen oft nicht erfolgt oder durch Desinformation bezüglich der tatsächlichen Umstände oder mittels Androhung von Werksschließungen bewusst verhindert wird.

Dies wollen wir nicht hinnehmen. Wir wollen im Gegenteil, den BürgerInnen und ArbeiterInnen in Taranto im Kampf gegen Krebs und Arbeitslosigkeit zur Seite stehen. Durch Infomaterialien, Videos und Veranstaltungen mit Betroffenen aus Taranto wollen wir den Nebel der Desinformation vertreiben, die Situation der Menschen vor Ort besser verstehen und von den Erfahrungen der KollegInnen lernen.

Wir, das sind das Taranto-Soli-Komittee, bestehend aus:

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