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Schwedische Schule: „Wir kümmern uns im Herbst darum, du musst dir keine Sorgen machen.“

Veröffentlicht am 28.05.2015 Kategorien: , ,
Heute vor genau einem Jahr wurde der gesamten Belegschaft der Schwedischen Schule Berlin gekündigt, und alle wurden aufgefordert, sich erneut auf ihre Stellen zu bewerben. Wie sich herausstellte, war dies eine bewusste Strategie, um kritische MitarbeiterInnen loszuwerden, denn alle haben ihre Stellen wiederbekommen, außer die zwei Gewerkschaftsmitglieder. Hier der offene Brief des ehemaligen Sport- und Naturwissenschaftlehrers der Schwedischen Schule Berlin, Johnny Hellquist.

„Wir kümmern uns im Herbst darum, du musst dir keine Sorgen machen.“ hieß es als ich am 21. Juni 2010 in Berlin war, um meinen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Als das neue Schuljahr dann anfing, gab es immer noch nichts zu unterschreiben.

Wir, die damals an der Schwedischen Schule in Berlin arbeiteten, hatten keine Pausen- und Arbeitsräume, haben eine Stunde pro Woche ohne Vergütung gearbeitet, wie auch an so manchem Wochenende oder zur vier Tage langen Schulreise. Schriftliche Arbeitsverträge gab es nicht.

Nach einem Jahr bekam ich eine kaum nachvollziehbare Erklärung darüber, warum meine Anstellung nicht verlängert werden sollte. Doch gemeinsam mit Eltern, SchülerInnen, KollegInnen und der kämpferischen Basisgewerkschaft FAU haben wir meine Anstellung zurück erkämpft. Wir haben ein gemeinsames Schreiben an die damalige Schulleiterin verfasst, welches im Endeffekt zu ihrer Kündigung geführt hat.

Die Schulreise, die Gratis-Stunde und die Wochenendarbeit werden mittlerweile vergütet, und wir haben uns eine gemeinsame Lohnstaffelung ausgehandelt. Im Februar 2014 bekamen wir dann schließlich einen kleinen Personalraum. Im Laufe des Frühjahrs führten wir den Arbeitskampf in kleinen Schritten weiter – auch wenn es nun meistens nur darum ging, das zu verteidigen, was wir uns schon erkämpft hatten. Am 19. Mai habe ich das Angebot angenommen, im kommenden Schuljahr 10 % weniger Arbeit mit demselben Stundenlohn zu machen. Eine Woche später haben sechs von acht LehrerInnen ein Protestschreiben gegen Verschlechterungen im Hort der Schule verfasst. Am 28. Mai wurde dann der gesamten Belegschaft gekündigt und alle wurden aufgefordert, sich erneut auf ihre Stellen zu bewerben.

Wir hatten den Verdacht, dass dahinter der Gedanke steckte, MitarbeiterInnen loszuwerden, die nicht einfach stillschweigend alles hinnehmen. Diese Befürchtung hat sich dann auch bestätigt. Als im Herbst das neue Schuljahr anfing, hatten alle ihre Anstellung wieder - außer die zwei, die in einer Gewerkschaft Mitglied sind und den Beschluss der Geschäftsführung in Frage gestellt hatten. An unserer Stelle wurden zwei neue Personen angestellt, obwohl die Geschäftsführung die ganze Zeit behauptet hatte, dass sie kein externes Personal anwerben würde.

Jede Lehrerin und jeder Lehrer weiß: kritische SchülerInnen sind die Triebfeder eines jeden Unterrichts. Denkende und kritische junge Menschen im Klassenraum machen uns zu besseren LehrerInnen. Was die Geschäftsführung der Schwedischen Schule dagegen gegenüber ihren Angestellten tut und sagt, macht einen ganz anderen Eindruck auf die dort lernenden Kinder. Der letzte Sommer und Herbst waren in diesem Sinne eine ganz hervorragende Lektion: Kinder, so läuft das eben im Arbeitsleben. Sagt ihr was ihr denkt, könnt ihr sofort gefeuert werden. Der Arbeitsplatz ist nun mal keine Demokratie.
Eine Schule, wo die SchülerInnen ihre Gedanken und Gefühle für sich behalten müssen, ist ein wirklich armseliger Ort.

Ich bin verdammt froh, dass wir uns nicht haben unterkriegen lassen. Ich bin unendlich stolz auf alle Verbesserungen, die wir erreicht haben. Ich bin stolz, dass wir uns mit unseren KollegInnen solidarisiert haben und für sie aufrecht standen. Gekündigt zu werden, weil man nicht seinen Mund gehalten hat, ist etwas Würdevolles. Es heißt nämlich, dass man versucht hat, die Wirklichkeit zu verändern, in der wir die meisten Stunden unserer Tage verbringen.

Die Geschäftsführung der Schule hat jedoch auch gezeigt, was passieren kann, wenn man sich widersetzt. Wir haben ihr mehrmals Gespräche mit unserer Gewerkschaft angeboten, doch sie hat die Angebote niemals angenommen. Eins ist glasklar: Die Geschäftsführung will sich in ihrem Kampf, einen stillen und gehorsamen Arbeitsplatz zu erzwingen, durch nichts aufhalten lassen. Natürlich ist dies kein Einzelfall. So etwas passiert überall, jeden Tag. Beenden können wir es nur, indem wir uns mit unseren KollegInnen zusammentun und uns organisieren gegen die, welche von unserer Arbeit profitieren wollen und über uns bestimmen wollen.

Die Geschäftsführerin der Schule ist zugleich Pfarrerin der Schwedischen Kirche in Berlin, und die Kirche ist Eigentümerin der Schule. Dadurch, dass die Kirche die Räume an die Schule vermietet und ein Teil der Belegschaft sowohl bei der Kirche als auch bei der Schule arbeitet, haben wir versucht, beim Arbeitsgericht zu beweisen, dass dies ein und derselbe Arbeitsplatz ist – mit insgesamt mehr als zehn Angestellten – und dass uns demzufolge das Gesetz vor unbegründeten Kündigungen schützen müsste. Unser Antrag, die Kündigungen zurückzunehmen, wurde jedoch vom Arbeitsgericht abgelehnt.

Die Tatsache ist: Keiner von den Gewerkschaftsmitgliedern hat seine Stelle wiederbekommen. Moralisch wird aber der Arbeitgeber den schwereren Stein tragen. Unsere Rücken sind gerade, unsere Kissen weich. Wir werden niemals schweigen, wenn jemand versucht, gewerkschaftliche Aktivität an einem Arbeitsplatz aus den Weg zu räumen. Die Zukunft lebt mit unseren Schritten, denn wir haben nicht die andere Wange hingehalten. Das werden wir niemals tun.

Wir werden alle feiern, die gefeuert wurden weil sie gekämpft haben. Keine Trauerbände. Lasst tausende Arbeitskämpfe glühen. Zusammen sieht man uns vom Mond.

Johnny Hellquist

Alle Meldungen: arbetsplatskonflikt.blogspot.de

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