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#RidersOnTheStorm - Riders in Berlin fordern Mitbestimmung!

Veröffentlicht am 16.02.2021 Kategorien: , ,
Berliner Lieferdienstfahrer* innen ("Rider"), erleben gerade heftige Tage. Zur Corona Pandemie kam in der letzten Woche ein Kälteeinbruch und Schneesturm hinzu. Bei Glatteis, Minusgraden, Wind und Schnee sitzen unsere Kolleg* innen bis zu Zehn Stunden täglich auf dem Rad, um für Unternehmen wie Wolt oder Lieferando Essen auszuliefern. Die Risiken die dabei momentan entstehen sind nicht zumutbar! Die sogenannten Arbeitgeber*innen scheinen daran bisher nicht interessiert zu sein.

Wie schon zu Beginn der Corona-Krise geben sich die Unternehmen als kaltschnäuzige Krisengewinner*innen, die nicht einmal nachfragen, was Arbeiterinnen zu ihren mehr als lückenhaften Arbeits- und Gesundheitsschutzkonzepten sagen. Die "Kontaktlose Lieferung" ist nicht kontaktlos. Fahrerinnen bekommen nur schwer Zugang zu sanitären Einrichtungen. Schutzmasken werden gar nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung gestellt. Ebenso fehlen angemessene Winterkleidung und Winterreifen für die Fahrräder.

In den Betrieben bleibt ein solches Vorgehen nicht folgenlos. Rider von mehreren Lieferdiensten haben selbstorganisierte Gruppen aufgebaut, in denen Mitglieder von Betriebsgruppen der FAU Berlin aktiv beteiligt sind. Die Rider vernetzen sich immer mehr. Hierbei werden sie von der FAU Berlin solidarisch unterstützt.

Die Betriebsgruppe Lieferando der FAU Berlin hat gemeinsam mit Ridern des Lieferdienstes Wolt die folgenden Forderungen aufgestellt:

 

1. Angemessene Ausstattung!

Wir fordern angemessenes Equipment für Winter und Sommer, welches rechtzeitig zur Verfügung gestellt wird. Ausrüstung in der Zentrale (Hub) abzuholen kostet Zeit und muss als Arbeitszeit angerechnet werden. Wir haben das Recht darauf, für all unsere Arbeitszeit bezahlt zu werden. Wenn wir nicht dafür bezahlt werden das Equipment abzuholen, muss es uns nach Hause geschickt werden.

2. Sichere Arbeitsbedingungen!

Wenn sichere Arbeitsbedingungen nicht gewährleistet werden können, sollte der Betrieb gestoppt werden. Keine Fahrerin sollte sich dazu gezwungen sehen unter gefährlichen Bedingungen zu arbeiten. Dazu zählen Glatteis, starker Schneefall, starker Wind/Böen und extreme Kälte.

3. Mitarbeiter*innen Mitbestimmung!

Mitarbeiterinnen und Managerinnen müssen zusammen entscheiden, welche Arbeitsbedingungen akzeptabel sind. Wir fordern,dass beide Parteien zusammen klare und zuverlässige Kriterien erstellen - und zwar anhand von Feedback der Fahrer*innen - sodass wir vorab abschätzen können, ob und wann eine Schließung stattfinden wird.

4. Schlechtes Wetter? Betrieb einstellen, Lohn weiter zahlen!

Wir bestimmen nicht das Wetter, wir können nur sicher stellen, dass wir für unsere Schichten verfügbar sind. Wir fordern volle Bezahlung von Schichten, wenn eine Einstellung des Betriebs durch ein unsicheres Arbeitsumfeld notwendig ist. Unsere Arbeitsunfähigkeit ist unter solchen Bedingungen nicht unsere Schuld, somit sollten wir nicht den Preis dafür zahlen müssen. Tage, an denen der Betrieb eingestellt werden muss, dürfen nicht von Urlaubstagen abgezogen werden.

5. Arbeitsmittel bezahlen, reparieren, ersetzen!

Wenn etwas von unserem persönlichen Equipment durch das Arbeiten in schlechtem Wetter kaputt geht, muss das Unternehmen für den Schaden aufkommen.

6. Zugang zu sanitären Einrichtungen!

Wir fordern, dass das Unternehmen dafür sorgt, dass wir garantierten und einfachen Zugang zu Toiletten und Waschräumen während unserer Schicht haben. Dies ist ein Gesundheits- , Sicherheits- und Gleichstellungsrecht: Wir haben ein erhöhtes Risiko, dem Coronavirus ausgesetzt zu sein. Unsere Kolleginnen leiden hierunter besonders. Lieferando muss Restaurants bezahlen, damit Fahrer*innen Zugang zu den Toiletten gewährt werden kann. Zudem muss Lieferando eigene Toiletten bereitstellen.

 

Zur Durchsetzung der Forderungen sind unsere Kolleg* innen und Genoss* innen auch auf die Öffentlichkeit, nicht zuletzt aber auf die Solidarität der Kund*innen angewiesen. Im stressigen Arbeitsalltag ist Essensbestellung oft eine einfache Lösung. Wenn ihr die Rider in diesen Tagen unterstützen wollt, könnt ihr das schon durch ein bis zweimal selbst Kochen tun. Wenn ihr bestellen wollt, dann am besten bei Lieferdiensten, in denen Rider selbstbestimmt entscheiden können, ob es für sie sicher ist zu liefern oder nicht. Zum Beispiel bei berliner Lieferdienstkollektiven (kolyma2.de or foodfairies.de).

Am Ende wird es dann aber auch das Wetter selbst sein, das Fakten schafft. In der Lieferando Betriebsgruppe der FAU Berlin machen sich die kalten Tage durch einen hohen Krankenstand bemerkbar. Auch viele andere Betriebsabläufe sind stark verlangsamt. Die privaten Handyakkus scheitern an der Kälte, gefrorene Straßen verlangsamen die Zustellung. Fehlende Winterreifen und Winterkleidung führen zu Unfällen und Erkrankungen.

 

Wir bedauern diese Umstände sehr und erklären uns solidarisch mit unseren Kolleg*innen auf Berlins Straßen. Wir sehen bisher nicht, dass die Leitungen der Lieferdienste gewillt sind Lösungen mit den Ridern zu finden. Sie wälzen Risiko und Verantwortung auf die Rider ab. Diese Willkür verunsichert viele Rider. Immer mehr finden Lösungen durch Selbstorganisation und Solidarität.

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