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Prekäre Arbeit gibt’s auch in Grün

Veröffentlicht am 30.05.2013 Kategorien: , ,
Die Heinrich-Böll-Stiftung ist die parteinahe Stiftung von Bündnis 90/Die Grünen und orientiert sich nach eigenen Angaben an dem Grundwert Gerechtigkeit. Weniger gerecht sind allerdings die prekären Beschäftigungsverhältnisse, unter denen einige KollegInnen in der Stiftung derzeit arbeiten: Seit Jahren beschäftigt die Stiftung im größeren Stil Arbeitskräfte, die nicht direkt bei ihr angestellt sind und dadurch zum Teil deutlich weniger verdienen als ihnen bei Entlohnung nach Tarif zustünde. Viele verdienen nicht einmal den von den Grünen im aktuellen Wahlkampf geforderten Mindestlohn von 8,50 EUR!

Mit dieser Beschäftigungspolitik trägt die Heinrich-Böll-Stiftung zu einer Ausweitung des prekären Beschäftigungssektors bei. Zusätzlich zu der schlechteren Bezahlung haben die KollegInnen wegen der Beschäftigung über externe Firmen sehr „flexible“ Arbeitsverhältnisse: Sie haben keinen Anspruch auf eine bestimmte Anzahl von Arbeitsstunden und häufig müssen sie Schichten zu später oder früher Stunde oder am Wochenende ohne Zuschläge übernehmen. Als FAU Berlin haben wir uns auf Bitte mehrerer betroffener KollegInnen der Sache angenommen.

Leiharbeit abschaffen!

Nach einer Untersuchung der Verhältnisse im Betrieb waren wir verdutzt: Wie kann eine Stiftung, die vorgibt, für Gerechtigkeit einzutreten, und fast ausschließlich aus öffentlichen Geldern finanziert wird, derart offen Löhne drücken und Arbeitsbedingungen verschlechtern? Wie kommt es, dass die Arbeitsverhältnisse einiger der betroffenen KollegInnen, wie wir meinen, nicht einmal die ohnehin niedrigen juristischen Standards für Leiharbeit oder outsourcing erfüllen? Warum setzt die Heinrich-Böll-Stiftung, die doch selbst soziale und ökonomische Ausgrenzung kritisiert, Arbeitskräfte unter so prekären Bedingungen ein?

Wir fordern, dass mit diesem Auslagerungsspiel Schluss ist und dass die Stiftung alle KollegInnen direkt anstellt, die Daueraufgaben bei ihr erfüllen – egal ob es sich um das politische „Kerngeschäft“ der Stiftung handelt oder um Reinigung, Haustechnik, Empfang, Küche oder Umbau. Damit die KollegInnen wieder ein geregeltes Arbeitsverhältnis haben und Tariflohn bekommen. Und damit all die alltäglichen Absurditäten und die organisatorischen Probleme ein Ende haben, die Leiharbeit und Outsourcing in der Heinrich-Böll-Stiftung zur Zeit mit sich bringen.

FAU kämpft für bessere Arbeitsbedingungen

Um diese Forderungen durchzusetzen, unterstützt die FAU Berlin zunächst die Klage auf Direktanstellung eines FAU-Mitglieds, das zusammen mit den KollegInnen aus seinem Bereich zur Zeit in einem Beschäftigungsverhältnis arbeitet, das uns juristisch problematisch erscheint. Der Prozess könnte zu einem Präzedenzfall werden und einer ganzen Reihe von KollegInnen eine Anstellung direkt bei der Stiftung verschaffen. Das Ziel unserer Kampagne aber bleibt eine Festanstellung zu vernünftigen Bedingungen für alle KollegInnen direkt bei der Böll-Stiftung. Auf unsere Gesprächsangebote hat die Geschäftsführung der Heinrich-Böll-Stiftung bisher nicht reagiert, doch viele der MitarbeiterInnen in der Stiftung – ob direkt oder über Fremdfirmen angestellt oder sogar nur als PraktikantInnen dort tätig – haben sich solidarisch erklärt und großes Interesse gezeigt, als wir sie in einer ersten Flyerkampagne über die bestehenden Missstände in ihrem Betrieb und über unseren Arbeitskampf informierten. Wir dürfen also gespannt bleiben...

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