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Kunstschaffende und Aktivist:innen für humanitäre Hilfe

Veröffentlicht am 14.03.2022 Kategorien: , , ,
Interview mit Denys Pankratov, Organisator der Gewerkschaft der Kranführer:innen in der Region Lwiw (Profspilka Kranivnykiv Lvishchyny - Профспілка кранівників Львівщини) und Aktivist der Organisation Soziale Bewegung (Sotsialnyi Rukh - Соціальний рух).

Dies ist ein Interview mit Denys Pankratov von der Gewerkschaft der Kranführer:innen in der Region Lwiw, Ukraine. Es wurde von Ignacy Jóźwiak von unserer Schwestergewerkschaft, der Arbeiter:innen-Initiative, in Polen geführt. Ignacy führt eine Interviewreihe mit Gewerkschafter:innen, die von der Invasion in der Ukraine betroffen sind. Obwohl das Interview die Situation in Lwiw vor 10 Tagen beschreibt, ist die Lage dort nach wie vor katastrophal. Die Sektion Kultur und Medien der FAU Berlin stellt den Text hier zur Verfügung, um auf eine Graswurzelinitiative von Kunstschaffenden und Aktivist:innen in Lwiw aufmerksam zu machen, die Unterstützung benötigt, um Flüchtende aus anderen Teilen der Ukraine unterzubringen und zu versorgen. Am Ende des Interviews findest du Informationen darüber, wie du an die Initiative spenden kannst.

Wir trafen Denys und Mitglieder der Kranführergewerkschaft im Frühjahr 2021 bei Online-Treffen und einem Erfahrungsaustausch zwischen gewerkschaftlich organisierten Kranführer:innen in Polen und der Ukraine. Zu dieser Zeit gab es in beiden Ländern Proteste für Lohnerhöhungen und mehr Sicherheit am Arbeitsplatz in diesem Sektor. Die ukrainischen Kranführer:innen informierten regelmäßig über unsere Aktionen und brachten ihre Solidarität in den sozialen Medien zum Ausdruck. Wir schrieben über den Kampf der ukrainischen Kranführer:innen im IP Bulletin und auf unserer Webseite, während die Materialien über die polnischen Kranführer:innen auf der Webseite der ukrainischen Organisation Social Movement erschienen.

Ignacy Jóźwiak: Denys, sage uns bitte zunächst, wie die Situation in Lwiw [Westukraine] jetzt ist?

Denys Pankratov: Die Lage in Lwiw ist relativ ruhig (Stand 1. März 2022, Anm. d. Red.). In den letzten zwei Tagen gab es nur zwei Alarme. Es gab keine Provokationen, keine Explosionen und keine bewaffneten Aktionen in der Region Lwiw. Die Menschen organisieren sich, es bilden sich starke Freiwilligennetzwerke. Auch die Behörden sind involviert, aber es gibt auch Graswurzelinitiativen, die unabhängig von den Behörden arbeiten. Die öffentlichen Verkehrsmittel funktionieren, ebenso die Geschäfte. Glücklicherweise gibt es in den Geschäften noch einige Lebensmittel. Was in Lwiw fehlt, sind medizinische Güter, Powerbanks und Ladegeräte für Telefone. Es mangelt an solchen wichtigen Dingen und an militärischer Ausrüstung.

Erzähl uns etwas über diese Graswurzelinitiativen, wie funktionieren sie, was machst du konkret in Lwiw?

Zu den antiautoritären Graswurzelinitiativen, denen ich angehöre, gehört die Zubereitung von vegetarischem Essen. Von morgens an bereiten wir Essen für 50-60 bis 80 Personen zu. Zuerst verteilen wir es an die Orte, an denen die Flüchtenden untergebracht sind, dann kochen wir oder nehmen das, was übrig bleibt, und bringen es zum Bahnhof, wo sich inzwischen eine große Anzahl von Menschen befindet. Ich werde dir den Kontakt zu der Initiave geben, in der offen gearbeitet wird. Überdies gibt es drei Personen von der Organisation Soziale Bewegung. Ich bin auch eine von ihnen. Wir versuchen, unsere Genoss:innen von der Anti-Autoritären Gewerkschaft zu unterstützen, die an die Front gegangen sind. Wir versuchen, sie medizinisch zu versorgen und ihnen taktische Ausrüstung zu geben: kugelsichere Westen, Helme, Handschuhe. Es gibt auch eine anarchistische Organisation namens Schwarzes Banner. Soweit ich weiß, sind einige von ihnen an die Front gegangen, nach Kiew, wo sie sich der Territorialverteidigung angeschlossen haben. Andere schlossen sich der lokalen Verteidigung in Lwiw an. Gleichwohl versorgen die Ökologische Plattform und das Schwarze Banner Menschen immer noch samstags. Wohnungslose und andere, die Lebensmittel benötigen.

Und die Gewerkschaft der Kranführer, mit der du verbunden bist?

Wir bleiben in ständigem Kontakt und haben eine Spendenaktion für die ukrainische Armee organisiert. Mit dem Gewerkschaftshaushalt und mit unseren eigenen Aufwändungen helfen wir auch einem Gewerkschaftsmitglied, das an die Front mobilisiert wurde. Er arbeitete als Mechaniker, und jetzt helfen wir ihm, verschiedene notwendige Ausrüstung und medizinische Güter zu sammeln. In naher Zukunft werden einige Gewerkschafter:innen nach Kiew reisen, um den Menschen bei der Verteidigung der Stadt zu helfen.

Wie ist die allgemeine Lage der arbeitenden Bevölkerung in der Ukraine jetzt, unter diesen Kriegsbedingungen, sofern sich diese Frage überhaupt stellt?

Im Allgemeinen haben die Menschen ihren Lohn erhalten, obwohl ich von mehr als einem Fall gehört habe, in dem sie ihn nicht erhalten haben und mit nichts dastanden. Natürlich wird auf den Baustellen jetzt nicht gearbeitet. Jetzt sind alle Kräfte darauf gerichtet, das Verteidigungspotenzial der Stadt, der Region und der Ukraine zu unterstützen.

Was möchtest du den Menschen aus Gewerkschaften und sozialen Organisationen in Polen und anderen Ländern sagen?

Wir haben eine konkrete Forderung der Sozialen Bewegung nach dem Erlass der Auslandsschulden der Ukraine, zu dem Thema gibt es eine Petition. Der ukrainische Gewerkschaftsbund hat den Internationalen Gewerkschaftsbund gebeten, die Föderation der Unabhängigen Gewerkschaften Russlands, die Putins Aggression gegen die Ukraine offen unterstützt hat, auszuschließen. Der Gewerkschaftsbund hat auch seine Infrastruktur in den Städten, in denen dies möglich war, den Flüchtenden zur Verfügung gestellt. Damit meine ich Hotels, Touristenzentren und dergleichen. Viele Menschen gehen jetzt ins Ausland, es sind Frauen, weil Männer nicht ausreisen dürfen. Wir hoffen, dass die Gewerkschaften ihnen helfen werden, Arbeit zu finden und ihr Leben zu organisieren.

Gibt es noch etwas, was du sagen möchtest?

Verfolgt, was hier passiert, und verbreitet es weiter. Ich hoffe, dass ihr in Polen genug Kraft haben werdet, euch um die ukrainischen Arbeiter:innen zu kümmern.

Interviewer: Ignacy Jóźwiak (Inicjatywa Pracownicza / Arbeiter:innen-Initiative, Polen), 1.03.2022

Die Initiative, an der Denys beteiligt ist, kann finanziell unterstützt werden

Wir sind eine selbstorganisierte Initiative von Künstler:innen und Aktivist:innen zur humanitären Unterstützung von Kriegsflüchtenden und anderen Menschen in Not. Wir kochen Abendessen und unterstützen temporäre Unterkünfte in Lwiw, Ukraine. Die Arbeit ist ehrenamtlich. Wir brauchen Geld für Lebensmittel und andere humanitäre Güter.

Wenn möglich, verwende bitte WISE (wise.com) für die Überweisung. Banküberweisungen können auch gemacht werden, aber sie dauern viel länger. Überspringe das Feld "E-Mail", wenn du WISE verwendest!

Account:

Währung: UAH
Konto- und Karteninhaber:in:  Olha Marusyn
Land: Ukraine,
Bank: Privatbank
Kartennummer: 4149 6090 0133 8138
BIC: PBANUA2XXXX
IBAN: UA 2830 5299 0000 0262 0174 1741 293
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