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Der 8. März war, ist und bleibt ein feministischer Kampftag!

Veröffentlicht am 04.03.2021 Kategorien: ,
Deshalb gehen wir am 8.März auf die Straße: "Our life our resistance, break the silence break the system" (FLINT-Demo um 14 Uhr vor der Europäischen Komission - Vertetung in Deutschland). Und deshalb haben wir basierend auf Jahrhunderten von Erfahrungen feministischer Kämpfe unsere aktuellen Ziele formuliert - sowie Wege, um diese zu erreichen!

Am Anfang stand nicht nur der Kampf um das Wahlrecht, sondern immer auch der Kampf gegen Armut und für bessere Arbeitsbedingungen - kurz: für ein menschenwürdiges Leben für uns alle! Unter den verschiedenen - oft massiv von Repressionen betroffenen - feministischen Kämpfen im späteren 19. und frühen 20. Jahrhundert ragt der Lawrence-Textilstreik von 1912 heraus. Mit Hilfe der Industrial Workers of the World schlossen sich Arbeiterinnen aus mehr als 51 Nationalitäten zusammen, um sich erfolgreich gegen Lohnkürzungen zu wehren und prägten die ikonische Forderung nach "Brot und Rosen". Praktisch kein Klassenkampf wäre ohne die Arbeit und Unterstützung von Frauen möglich gewesen, auch wenn sie oft unsichtbar gemacht wurden. Aber die Ungerechtigkeit konnte nicht für immer unsichtbar gemacht werden. Über die Jahre wurde der Ruf nach gleichem Lohn laut, oft erfolgreich begleitet von Streikaktionen: Vom 1960er Streik der Näherinnen bei Ford in Dagenham bis zu landesweiten feministischen Streiks 1975 in Island und 1991 in der Schweiz.

Und heute? Wir haben nun das Recht zu wählen und können uns zwischen Parteien entscheiden, die keine oder nur geringfügige Reformen der aktuellen Abtreibungsregelungen versprechen - während wir stattdessen lieber sichere und kostenlose Abtreibung für alle und überall hätten. Wir haben nun auch weibliche Bosse (meist aus wohlhabenden Familien), die uns ausbeuten - während wir stattdessen lieber keine Bosse und keine Ausbeutung hätten. Die meisten von uns müssen immer noch in unterbesetzten und überlasteten Umgebungen arbeiten, müssen immer noch sexistische und rassistische Behandlungen von Bossen und Kund*innen ertragen, müssen immer noch ganz allein das Problem der Pflegearbeit lösen, werden immer noch im Durchschnitt 30% geringer bezahlt als unsere männlichen Genossen, müssen immer noch wegen fehlender Dokumente oder der ständigen Überwachung durch das Jobcenter kämpfen. Einige von uns sind auf einmal auf wundersame Weise systemrelevant, d.h. wir riskieren unsere Gesundheit für schlechte Arbeitsbedingungen und ein bisschen Applaus!

Kurzum: Viel zu viel Stress für viel zu wenig Lohn! Wenn wir überhaupt einen bekommen: Eine Menge Arbeit wird immer noch nicht als Arbeit gewertet, weil sie zu Hause und nicht im Büro erledigt wird! Ausbeutung und Diskriminierung sind nicht verschwunden, der Kapitalismus hat sich nur eine schöner klingende Ausrede einfallen lassen, warum "jeder seines Glückes Schmied" ist und wir selbst schuld sind, wenn das für viele von uns einfach nicht funktioniert.

Wofür wir 2021 kämpfen:

  • Gesundheitsschutz für alle! Gesundheitsversorgung ist nicht gerecht verteilt. Viele Menschen fallen aus unserem absurden Versicherungssystem heraus. Und selbst wenn wir drin sind, heißt das nicht unbedingt, dass wir Zugang zu dem haben, was wir brauchen: Wenn es einfach zu wenig medizinische Einrichtungen in unserer Nachbarschaft gibt oder keinen Arzt, der bereit ist, einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen. Auch kann im Moment nicht jede*r zu Hause bleiben und arbeiten. In vielen prekären (und feminisierten!) Branchen müssen die Arbeiter*innen immer noch jeden Tag nach draußen. In vielen Fällen ist es auch nicht sicher, zu Hause zu bleiben, da häusliche Gewalt stark angestiegen ist. Solange die Löhne niedrig, aber die Mieten und wirtschaftlichen Abhängigkeiten hoch sind, werden alle Lösungen ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Wir brauchen Solidarität mit den Risikopersonen, aber auch ein Gesundheitssystem, das sich nicht an Profiten orientiert, sondern an den Bedürfnissen der Patient*innen und der Beschäftigten im Gesundheitswesen!

  • 4-Stundentag, Menstruationsfreistellung und bezahlte Haushalts- und Pflegearbeit! Während Covid-19 hatten deutsche Behörden nichts Besseres zu tun, als die Arbeitszeitgrenzen aufzuweichen. In China wurde dagegen festgestellt, dass das Gesundheitspersonal die Pandemie am effektivsten bekämpft, wenn die Arbeitszeiten radikal reduziert werden. Warum sollten wir nicht für alle eine radikale Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich haben? Wenn gleichzeitig zudem Haushalts- und Pflegearbeit endlich finanziell gleich entlohnt wird, können wir tatsächlich sowohl eine gerechte Verteilung der Arbeit als auch wirtschaftliche Sicherheit erreichen. Dazu gehört auch ein Recht auf bezahlten monatlichen Freistellung bei Menstruation. Es gibt so viel zu gewinnen, was die Gesundheit, die Umwelt und die Gemeinschaft anbelangt. Der 8-Stunden-Arbeitstag wurde von Arbeiter*innen erkämpft, jetzt ist es Zeit für den nächsten Schritt!

  • Legalisierung und gleicher Lohn für alle! Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Aber worauf basiert diese Gleichheit überhaupt? Warum wird die Pflege von Menschen so viel weniger wertgeschätzt als die Pflege von Maschinen? Und wo ist diese Gleichheit für die tausenden von migrantischen Arbeiter*innen mit oder ohne Papiere, die sich in deutschen Haushalten, auf Baustellen und in der Landwirtschaft abrackern? Menschen für illegal zu erklären, sorgt dafür, dass sie sich leichter in beschissenen Arbeitsbedingungen ausbeuten lassen. Arbeit als weiblich zu bestimmen, macht es akzeptabel, weniger zu zahlen und mehr zu verlangen. Menschen eine "andere Farbe" zuzuschreiben, entzieht ihnen die Solidarität, wenn sie schlecht behandelt werden. (Jetzt stellt euch vor, ihr müsst gegen alle drei Hindernisse kämpfen!) Wenn wir also gleichen Lohn fordern, dann fordern wir ihn für alle und überall und jederzeit. Stoppt die Diskriminierung und beginnt mit der Legalisierung Jezt!

Wie wir 2021 kämpfen:

  • Zusammen und kreativ die kleinen Kämpfe kämpfen: Wir sind vielleicht nicht die typischen Industriearbeiter, die Seite an Seite am Fließband arbeiten. Aber egal, ob wir kellnern, putzen, kochen, pflegen, assistieren, Kinder betreuen, Haare schneiden, Nägel machen, Texte lektorieren, sexy chatten, tanzen, telefonieren, belegte Brötchen verkaufen, ob wir scheinselbstständig sind, Minijobber*innen, AlgII-gefördert, ohne Aufenthaltsstatus oder noch in Ausbildung. Das alles heißt nicht, dass wir uns nicht zusammenschließen, organisieren und als Gewerkschaft kämpfen können. Solange wir alleine sind und an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen müssen, zermürben uns Arbeitgeber und Behörden mit der Verweigerung unserer Rechte und ständigen Forderungen nach mehr Dokumenten. Aber wie unsere jüngsten Fälle bei im Callcenter und in Bahnhofsbäckereien zeigen, ist das nicht das Ende der Fahnenstange: gemeinsame Treffen, gegenseitige Bildung und Hilfe in allen Lebensbereichen sowie Solidaritätsfonds wie z.B. während Corona machen es tatsächlich möglich, langfristige klassenkämpferische Ziele in Angriff zu nehmen. Indem wir uns gegenseitig unterstützen, uns wiedersetzen und uns gegenseitig zum Gericht oder zum Büro der Bosse begleiten, können wir den Spieß umdrehen!

  • Die neue Gesellschaft in der Schale der alten aufbauen: Gewerkschaftsarbeit entlastend und energertisierend für alle Genoss*innen machen, denn wenn du drei Jobs machst und auch noch Kinder zu erziehen hast, bleibt einfach nicht viel Zeit für Versammlungen und Treffen. Wenn du dich schon im Alltag ständig mit Rassismus, Sexismus und all dem anderen Scheiß auseinandersetzen musst, bleibt einfach nicht viel Energie übrig, um sich auch noch im Plenum damit auseinanderzusetzen. Lasst uns also Dinge wie Kinderbetreuung und emotionale Arbeit als eine gemeinsame Aufgabe unserer Gewerkschaftsarbeit sehen und nicht als eine individuelle!

  • Künstliche Barrieren zwischen den Ländern einreißen: Die Konzerne halten sich sowieso nicht daran! Die Streiks der Textilarbeiterinnen in Bangladesch waren erfolgreich, weil wir gemeinsam ihre Unternehmen sowohl am Ort der Produktion als auch am Ort des Verkaufs in die Verantwortung genommen haben. (Überhaupt, warum sind die produzierenden Arbeiter*innen illegal, wenn sie hierher kommen, aber nicht die Produkte?) Unsere internationalen Genoss*innen zeigen einen Weg auf, wie wir weiter kämpfen können: Sei es in Spanien mit ihrem beeindruckenden landesweiten feministischen Streik am 8. März, oder in Polen, wo unsere Schwestergewerkschaft IP den massiven Protest gegen die absurden Abtreibungsgesetze mit aktiven Streikaufrufen unterstützt.

  • Eine breite feministische Streikbewegung aufbauen: Das deutsche Arbeitsrecht ist bekanntlich ziemlich strikt gegenüber allen Aktionen, die tatsächliche Veränderungen außerhalb des ziemlich eng definierten Tarifzirkus fordern. Aber alte Gerichtsurteile können außer Kraft gesetzt und neue Arbeitsgesetze erkämpft werden. Die aktuellen Arbeitsgesetze sind auch nicht aus dem Nichts gekommen oder nur eine Gefälligkeit der Arbeitgeber. Fangen wir also an, eine dauerhafte Streikbewegung aufzubauen. Und ja, Care-Arbeiter*innen können streiken - nicht gegen, sondern mit und für die Menschen, für die sie sorgen! Wie es die Kampagne für mehr Personal in Krankenhäusern ausdrückt: Mehr von uns ist besser für alle! Wenn wir streiken, steht die ganze Welt still!

Wir sagen: Jeder Tag ist 8. März! Lasst uns jeden Tag zu einem feministischen Kampftag machen!
Eure feministischen Genoss*innen der AG8M - FAU Berlin

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