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[Update] Paradies für Touristen, die Hölle für Arbeiter

Veröffentlicht am 25.10.2015 Kategorien: , , ,
Update, 25. Okt. 2015: Erfolgreich gegen Lohnbetrug an migrantischen Arbeitern: FAU Berlin forderte von dem Restaurant „Cancún“ Lohnnachzahlung und Urlaubsabgeltung. Während der Kundgebung am 24. Oktober vor dem Restaurant musste sich der Boss von der (Laut-)Stärke unserer Solidarität überzeugen und bot einen vierstelligen Betrag, um den Forderungen der Basisgewerkschaft zu genügen. Damit ist dieser Konflikt durch direkte Aktion der FAU Berlin beendet worden.

Es ist nicht alles Gold was glänzt. Insbesondere wenn es um Lohnarbeit – kapitalistische Ausbeutung – in der Gastronomie geht. Kennzeichnend scheint, dass niemand so richtig auf die Arbeitsbedingungen achtet. Der Konkurrenzdruck ist groß. Die Preise und Löhne sind, bei gleichzeitig wenig attraktiven Arbeitszeiten, sehr niedrig. In der Touristenmetropole Berlin eine schier unüberblickbare Branche, in der auch viele migrantische ArbeiterInnen tätig sind. Abermals wehrt sich nun einer von ihnen.

Der Kollege hatte im „Cancún“ seit Oktober 2014 als Barmann gearbeitet, bevor er im Juli 2015 wegen andauernder Unregelmäßigkeiten bei den Lohnzahlungen und Arbeitsstunden – und wegen mangelnder Fairness im Umgang mit den Beschäftigten kündigte. Die Forderungen belaufen sich auf einen niedrigen vierstelligen Betrag – keine „Peanuts“ für prekär Beschäftigte – und setzen sich zum Großteil aus der absolut unstrittigen Urlaubsabgeltung zusammen. Dabei sieht auf dem Papier alles chic aus: schriftlicher Arbeitsvertrag, Spätschichtzuschläge, Sozialversicherung, bezahlter Urlaub. Längst nicht alltäglich. Ein zweiter Blick jedoch genügt: Papier ist geduldig, und nicht jeder Vertrag ist rechtlich einwandfrei.

Besonders auffällig ist, dass der Arbeitsvertrag keine Mindestarbeitszeit ausweist: ein Null-Stunden-Vertrag, der das unternehmerische Risiko auf die ArbeiterInnen abwälzt, wie man ihn bisher nur aus Großbritannien (den USA und Finnland) kennt. Außerdem enthält der Vertrag eine völlig überzogene Klausel über 1.000 Euro Schadenersatz an den „Arbeitgeber“ für den Fall, dass die zweiwöchige Kündigungsfrist nicht eingehalten wird. Ordentlich zu kündigen, war für den Kollegen aber gar nicht so einfach: drei Mal wollte er das Schreiben persönlich übergeben, drei Mal wurde das abgelehnt, und außerdem bekam er in der Folge weniger Schichten – sprich weniger Lohn – zugeteilt.

Seit September hat die FAU Berlin die Ansprüche des Gewerkschaftsmitglieds mehrmals schriftlich und persönlich geltend gemacht. Die Geschäftsführer Jeannette und Badol A. Shek betreiben zwei Restaurants selbst (in dem am Alex arbeiten zu Spitzenzeiten rund 22 Personen in einer Schicht), zwei weitere Restaurants werden von einem anderen Inhaber betrieben.

Herr Shek aber stritt – direkt vor den Augen ungläubiger Gäste – bei einem ersten Treffen Mitte September rundweg ab, das Einschreiben überhaupt erhalten zu haben. Ein zweites Schreiben überstellten dann Anfang Oktober rund ein Dutzend GenossInnen persönlich. Alles verlief ruhig und freundlich, außer die Reaktion des Bosses: Der wies seinen Manager an, dieser solle die Türen schließen und die Gewerkschafter einsperren! Eine doch recht ungewöhnliche Reaktion für einen Anhänger der Awami Liga, der sozialdemokratischen Regierungspartei in Bangladesch.

 

Die Veranstaltung „Arbeit und Gegenwehr in der Gastronomie“ am Mittwoch, den 21.10.2015, um 19:00 Uhr im Gewerkschaftslokal der FAU Berlin, Lottumstr. 11 (U-Bahn Rosenthaler Platz bzw. Rosa-Luxemburg-Platz). Geprellte ArbeiterInnen berichten über ihre Erfahrungen – Restaurant Cancún, eine Pizzeria, Veganladen yoyo’s –, die Gewerkschaft informiert über Handlungsmöglichkeiten. Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt; eine Übersetzung wird ggf. gewährleistet.

Kundgebung – Samstag, 24. Oktober – 19 Uhr – Rathausstraße 5-13 (beim Fernsehturm). Die AG „Cancún“ der FAU Berlin rät: Bringt euch warme Getränke mit!

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