Skip to content. | Skip to navigation

Sections
You are here: Home / Soli für Warschauer Mieterbewegung

Soli für Warschauer Mieterbewegung

Published on Mar 24, 2011 Tags: ,
Am Donnerstag, den 24. März, führten Mitglieder der Freien ArbeiterInnen-Union (FAU) Berlin und der Anarchosyndikalistischen Jugend (ASJ) Berlin eine Soliaktion für die Mieterbewegung in Warschau durch. Sie protestierten damit gegen die dortige Wohnungspolitik, mit der Tausende Menschen terrorisiert und der Verelendung ausgesetzt werden. Trauriger Anlasse der Proteste war die vermutliche Ermordung der Warschauer Mieteraktivistin Jolanta Brzeska Anfang März.

Die Protestkundgebung fand vor dem Collegium Hungaricum statt, wo am Abend eine Konferenz zu Ordnungsmodellen im postsozialistischen Osteuropa eröffnet wurde, zu welcher der polnische Botschafter in Berlin erwartet wurde. Dieser sagte allerdings in letzter Minute ab. Ob dies wegen der Proteste geschah, sei dahingestellt.

Die Hintergründe

Am 7. März wurde in den Wäldern Warschaus ein bis zur Unkenntlichkeit verbrannter Menschenkörper gefunden. Es war, wie sich herausstellte, die Leiche der 64-jährigen Jolanta Brzeska, einer Aktivistin in der Warschauer Mieterbewegung, die sich gegen die Privatisierung öffentlichen Wohnraums, enorme Mieterhöhungen und mafiöse Vertreibungsmethoden wehrt. Vielerorts haben sich Mieterkomitees gebildet, und seit mehreren Monaten läuft ein Mietstreik, der mit zahlreichen Aktionen flankiert wird.

Allein in Warschau sollen etwa 10.000 der kommunalen Gebäude reprivatisiert werden. Angemessenen kommunalen Wohnraum als Ersatz stellt die Stadt jedoch kaum zur Verfügung. Gibt es Ersatzunterkünfte, dann erfüllen diese häufig nicht die geringsten Standards, sie sind oft baufällig, ohne fließendes Wasser und ohne Heizung, was schlicht gesundheits- oder gar lebensgefährlich ist. Zahlreiche Menschen sind akut von Obdachlosigkeit bedroht.

Jolanta selbst hat als letzte Mieterin in einem vor einigen Jahren privatisierten Haus ausgeharrt. Mit einer extrem drastischen Mieterhöhung hat der neue Eigentümer, ein berüchtigter „Slumlord“, versucht, Jolanta aus ihrer Wohnung zu vertreiben. Dabei wurde sie auch mehrfach bedroht. Eine für sie zahlbare kommunale Wohnung hat ihr die Stadt mehrfach verweigert. Ihre Mietschulden haben zuletzt über 20.000 Euro betragen.

Die genauen Umstände von Jolantas Tod sind nicht geklärt, und BeobachterInnen haben begründete Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Ermittlungen angemeldet. Unbestreitbar jedoch ist, so formulieren es ihre MitstreiterInnen am vergangenen Freitag auf einer Veranstaltung im Berliner FAU-Lokal, dass die Umstände zu Jolantas Tod geführt haben. Bis zum Schluss hatte sie mutig gekämpft und auch andere entschieden in ihrem Kampf unterstützt.

Forderungen

Die etwa 25 Berliner AktivistInnen, die erfreulicherweise vom Service-Personal der Konferenz nach außen mit freien Getränken versorgt wurden, unterstützen mit der Aktion die Forderung der Warschauer Mieterbewegung. Auf einem Flugblatt wurden diese wie folgt zusammengefasst:

• erschwingliche Mieten und realistische Einkommenskriterien für den Erhalt einer Sozialwohnung;
• sofortiger Stopp der Privatisierung von kommunalen Wohnungen sowie Instandsetzung verfallener Häuser;
• eine saubere Untersuchung und lückenlose Aufklärung des Todes von Jolanta Brzeska!

Ein Redner der FAU Berlin wies in seinem Beitrag darauf hin, dass der Kampf um Wohnraum ein internationales Phänomen der heutigen Zeit sei, in Polen jedoch könne man die ganze Dramatik eines liberalisierten und entfesselten Wohnungsmarkts beobachten. Zwei Jahrzehnte nach dem Zerfall des Realsozialismus seien die Menschen dort mehr denn je der Verelendung ausgesetzt. Kritisiert wurde zudem, dass auf der Konferenz zahlreiche WissenschaftlerInnen abstrakt über gesellschaftliche Ordnungsmodelle schwadronieren, diese soziale Tragödie, ein Resultat der neuen gesellschaftlichen und ökonomischen Ordnung, aber kein Thema wäre. Dabei könne jeder vernünftige Mensch eins und eins zusammenzählen und sich denken, dass das extensive Geschäft mit existenznotwendigem Wohnraum zwangsläufig dazu führt, dass mit der Existenz von Menschen gespielt werde.

Ein Bericht über die Aktion wurde am selbigen Abend beim Funkhaus Europa des RBB auf Polnisch ausgestrahlt. Der Mitschnitt findet sich bei Indymedia.

Quelle: Indymedia

Siehe auch:

Zu den Hintergründen in der „Direkten Aktion“:
Gentryfikacji: Mit einem Mietstreik versucht die ZSP in Warschau, den Widerstand gegen die städtische Wohnungspolitik zu organisieren

Stronger together

Click here to get to the FAU Berlin's English membership formThe FAU Berlin is an independent grassroots union. It is part of the German Free Workers' Union (FAU) federation. Join us, take part, get active.

We'll be back!

FAU Berlin is currently restructuring! This means that we are reducing some of our public activities, to focus on our strategy for the future. Throughout this time we are still providing support to our membership. If you are a member and need assistance, don't hesitate to contact your section/workplace group, or drop into our open Lokal on Fridays.

Intro and advice
Introductory seminar: FAU – How does it work? - Cancelled until further notice.
Open FAU office: Every Friday, 5:00–8:00 PM.
union help desk: always on the 2. and 4. Friday of the month, 6:30 – 7:30 PM.
Please read first!
Tenant rights help desk: Cancelled until further notice.
Advice for worker and business collectives: See the advice page (german) of the union coop // federation.
Follow us on...
Donations welcome

Name: Allgemeines Syndikat Berlin
IBAN: DE45 1605 0000 3703 0017 11
BIC: WELA DE D1 PMB
Reason for payment: Donation