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Die "taz" schreibt über die FAU Berlin:

Veröffentlicht am 20.08.2010 Kategorie:
FAU - Freie Arbeiter Union
Die FAU in Berlin kämpft für die Rechte von PraktikantInnen, Erwerbslosen und JobberInnen

Wer kennt das nicht: Um seine Berufsaussichten zu verbessern und erste Praxiserfahrungen zu sammeln, sucht man sich ein Praktikum in einem gewünschten Betrieb oder Unternehmen. Dort leistet man dann dieselbe Arbeit wie die fest angestellten Arbeitskräfte, mit dem einzigen Unterschied, dass man für die eigene Arbeit kaum bis gar kein Geld bekommt. Das Unternehmen hingegen profitiert nicht nur von der kostengünstigen Arbeitskraft, sondern auch von der kostenlosen Ausbildung. Das kommt aber nicht nur bei Praktika vor, auch Probeschichten oder Lehraufträge werden oft nicht oder, wenn doch, nur unzureichend bezahlt.

Seit 2007 nimmt sich die Freie ArbeiterInnen Union Berlin oder auch FAU Berlin dieser Problematik an und kämpft für die Rechte von PraktikantInnen, Erwerbslosen und JobberInnen. "Gemeinsam können wir an diesen Missständen rütteln und unsere Würde bewahren", erklärte Lars Röhm, Allgemeiner Sekretär der FAU, in einem Gespräch mit der taz. Die Würde, so sagte Röhm, fange bei einer angemessenen Bezahlung der erbrachten Arbeit an und höre bei der Frage nach selbstbestimmtem Leben und Arbeiten auf. Die FAU versteht sich als anarchosyndikalistische Gewerkschaftsföderation mit dem Ziel, Leute in prekären Arbeitsverhältnissen dazu zu bewegen, sich selbst zu organisieren und gemeinsam ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

Hierfür liefere sie "Hilfe zu Selbsthilfe", wie Florian Wegner erklärte. Er ist bei der FAU Berlin für die interne Koordination zuständig und kümmert sich um neue Mitglieder. "Viele Menschen glauben nicht mehr daran, dass sie ihre Probleme selbstständig angehen können. Wir möchten aufzeigen, dass dies gemeinsam und solidarisch sehr wohl möglich ist.", sagte er.

Die Idee der FAU gibt es bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts. Nach dem Ersten Weltkrieg genoss die Gewerkschaft, die damals noch den Namen Freie Arbeiter Union Deutschlands (FAUD) trug, große Popularität und zählte bis zu 150.000 Mitglieder. 1933 löste sie sich auf und ging in den Untergrund. Erst 1977 wurde sie wieder ins Leben gerufen. In Berlin sind etwa 100 Menschen in der FAU aktiv. Unterstützt wird ihre Arbeit von der Anarchistisch-Syndikalistischen Jugend (ASJ).

Für die FAU sei es wichtig, eine neue, basisdemokratische Gewerkschaftsbewegung unabhängig von zentralistischen Gewerkschaften zu etablieren, die nicht an eine parteipolitische Linie gebunden ist, sondern frei und unabhängig agiert. "Zu uns kommen nicht zuletzt auch oft Leute, die bei den großen Gewerkschaften durch das Raster fallen", sagte Röhm. Deren Monopol sei in den letzten Jahren zunehmend infrage gestellt worden, da sich die sozioökonomischen Gegebenheiten verändert hätten.

Die AktivistInnen der FAU organisieren nicht nur Arbeitskämpfe, sondern kümmern sich auch um die Öffentlichkeitsarbeit, indem sie Flyer verteilen, Artikel auf ihrer Homepage und ihrer Zeitung "Direkte Aktion" veröffentlichen oder an die Presse herantreten. So schaltete sich die FAU bei dem Lohnkonflikt im Kino Babylon in Berlin Mitte ein, gründete dort eine Betriebsgruppe, setzte sich mit den MitarbeiterInnen zusammen, arbeitete mit ihnen einen Haustarifvertrag aus und organisierte Kundgebungen vor dem Kino. "Die Mitarbeiter hatten dabei die Fäden in der Hand und haben sich in dieser Zeit enorm viel Wissen und Erfahrung angeeignet", resümierte Röhm. Als ein IT-Unternehmen 2008 seine Belegschaft per Mail kündigte, sprang die FAU in die Bresche und half den Betroffenen dabei, eine ordentliche Abfindung zu erkämpfen.

Ganz wichtig sei es aber auch, sich um die Fälle zu kümmern, in denen Einzelne betroffen sind. In einer Stadt wie Berlin, in der viele Leute in prekären Arbeitsverhältnissen stünden und mehrere Jobs gleichzeitig ausübten, sei es schwer, sich gewerkschaftlich zu organisieren. "Die Arbeitgeber müssen verstehen, dass der Angriff auf einen einem Angriff auf alle gleichkommt", erklärte Wegner.

Wer sich bei der FAU engagieren möchte oder Probleme am eigenen Arbeitsplatz hat, kann jeden Freitag ins offene Büro in der Straßburger Straße 38 kommen. Ansonsten findet jeden zweiten Mittwoch im Monat eine Vollversammlung statt. "Wir freuen uns immer, wenn sich Leute bei uns einbringen", sagte Röhm. Ansonsten appellierte Wegner: "Wenn es einen Konflikt gibt, sollen die Leute ruhig zu uns kommen, wir reagieren sofort." Auch wenn sich die FAU derzeit primär mit Lohn-und-Brot-Fragen beschäftigt, versteht sie sich ebenso als soziale Basisbewegung, die auch vor Problemen wie extremen Mieterhöhungen und Hartz IV nicht die Augen verschließt.
LUKAS DUBRO

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