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Dubiose Praktiken

Veröffentlicht am 11.08.2009 Kategorien: ,
Berlin: Eines der Renommierprojekte der »rot-roten« Kulturpolitik macht durch Dumpinglöhne und prekäre Arbeitsverhältnisse von sich reden. Beschäftigte wehren sich
Von Florian Möllendorf

Das Kino Babylon in Berlin- Mitte genießt bei Filmfreunden einen guten Ruf. Die Zuschauer schätzen das abwechslungsreiche Programm des Filmtheaters, das von alternativen deutschen und internationalen Produktionen bis hin zu Lesungen viel zu bieten hat. Bekannt ist das Lichtspielhaus auch als Herberge für Filmfestivals abseits des Mainstream.

Weniger bekannt hingegen sind die Arbeitsbedingungen in dem Traditionshaus am Rosa-Luxemburg-Platz: Es existiert kein Tarifvertrag, die Geschäftsleitung soll mit den Beschäftigten meist nur mündliche, befristete Verträge vereinbaren, Mitarbeiter häufig kurz vor Inkrafttreten des Kündigungsschutzes vor die Tür setzen und ein Mitspracherecht der Mitarbeiter, zum Beispiel beim Erstellen von Dienstplänen, verweigern. Die Stundenlöhne liegen zwischen fünf und acht Euro, Feiertags-oder Nachtzuschläge gibt es nicht. Um ihre Forderungen gegenüber dem Management durchzusetzen, wählten die Beschäftigten im November 2008 einen Betriebsrat. Anfang 2009 folgte die Gründung einer Betriebsgruppe der Freien Arbeiterinnen und Arbeiter Union (FAU). Im Juni legte die anarchosyndikalistische Gewerkschaft den Geschäftsführern des Kinos dann einen gemeinsam mit den Beschäftigten ausgearbeiteten Entwurf für einen Haustarifvertrag vor, in dem die Mitarbeiter unter anderem höhere Löhne und die Umwandlung aller befristeten Verträge in unbefristete fordern. Doch bislang weigert sich die Geschäftsführung, darüber zu verhandeln. Um das Management an den Verhandlungstisch zu bekommen, veranstaltete die Betriebsgruppe eine Protestkundgebung vor dem Filmtheater. Als auch das ohne Wirkung blieb, rief die FAU Mitte Juli zum Boykott des Babylon auf.

Seit sich die Beschäftigten gegen die Zustände im Babylon zur Wehr setzen, kämpft Geschäftsführer Timothy Grossman mit noch härteren Bandagen. Kaum einen Monat nach Bildung des Betriebsrates wurde einer der gewählten Vertreter entlassen. Sein Vertrag soll im Nachhinein befristet worden sein, heißt es. Als der Mitarbeiter auf Fortbestand des Arbeitsverhältnisses klagte, wurde er wieder eingestellt. Einem anderen Betriebsratsmitglied wurde kurzerhand die Teamleitung und das Erstellen der Schichtpläne aus der Hand genommen.

Filmreif scheint auch das Geschäftsgebaren des Managements. Timothy Grossman und Tobias Hackel sind nämlich nicht nur Geschäftsführer der »Neuen Babylon Berlin GmbH«, mit der sie das Kino am Rosa-Luxemburg-Platz betreiben. Es existiert eine zweite Firma mit gleicher Adresse und ähnlichem Aufgabenfeld, die »Kino und Konzerte GmbH«. Nach Angaben des Betriebsrates ist es gang und gäbe, Mitarbeiter zwischen den Firmen hin und her zu schieben. Für wen sie gerade arbeiten, wüßten sie oft gar nicht. Die FAU vermutet, daß so die Einflußmöglichkeiten des Betriebsrates beschnitten werden sollen. Die hängen unter anderem auch von der Zahl der Beschäftigten in einem Unternehmen ab.

Der Berliner SPD-Linke-Senat unterstützt das Kino jährlich mit mehreren hundertausend Euro Kulturförderung – allein 2006 waren es 440000 Euro. »Es ist von Rot-Rot politisch gewollt, daß das Babylon eine Unterstützung durch das Land Berlin erhält, um seinen Betrieb in teurer Citylage überhaupt zu ermöglichen«, erklärte der stellvertretende Landesvorsitzende der Berliner Linken, Wolfgang Albers, in einem Antwortschreiben auf einen offenen Brief der FAU an die Berliner Linkspartei. In der Verantwortung gegenüber den Beschäftigten sieht sich die Partei nicht. Statt dessen pocht sie auf die Tarifautonomie: »Weder Senat noch die Partei Die Linke« seien »Betreiber des Kinos Babylon und damit der Arbeitgeber«, betont Albers in seinem Brief. »Es steht uns also nicht zu, sich in Tarifangelegenheiten einzumischen«. Auch sei »die Lohnstruktur im Babylon vergleichbar mit anderen kleinen Kinos«, weiß der Linke-Poltiker. Immerhin kündigte Albers an, nun das Gespräch mit Grossmann und Hackel suchen zu wollen.

Quelle: Junge Welt, 10.8.2009.

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