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Im Zeichen des Schirms

Veröffentlicht am 05.05.2009 Kategorien: ,
Mayday-Parade zog erstmals durch Mitte / Farbeier gegen das Finanzministerium
Von Katharina Zeiher

»Heute ist ein sonniger Tag – und doch regnet es«, ruft die Moderatorin im goldenen Frack ins Mikrofon. »Erst regnet es Rechnungen, dann Mahnungen, es regnet Absagen auf unsere Bewerbungen!« Sie hält ihren roten Regenschirm in die Luft. »Damit wir nicht die ganze Zeit im Regen unseres prekären Alltags stehen, müssen wir uns schützen, deswegen haben wir unsere Schirme mitgebracht!« Auch viele Teilnehmer haben Schirme dabei, die sie auf eine Zeichen der Moderation hin immer wieder gleichzeitig in die Luft recken.

Über 4000 Menschen sind an diesem Freitagnachmittag zum Auftakt der Mayday-Parade auf den Bebelplatz gekommen. Unter dem Motto »Ich krieg die Krise und das nicht erst seit gestern« wollen flüchtlingspolitische Initiativen, linke Gruppen, die anarchosyndikalistische Gewerkschaft FAU und die Hedonistische Internationale für »Solidarität statt Prekarität« demonstrieren. Es ist bereits der vierte Berliner Mayday. Erstmals hat sich das breite Bündnis für eine Route durch Mitte entschieden. »Wir wollen an den Orten demonstrieren, wo die Krise und das Elend verursacht wurden«, sagt Peter Pause alias IncrediBoy. Warum er heute im glitzernden Frack, mit Rüschenhemd und Hut bekleidet auf dem großen Lautsprecherwagen steht? »Wenn's scheiße läuft, muss man wenigstens gut aussehen«, meint er grinsend. »Wir feiern heute die Tatsache, dass der Kapitalismus in der Krise ist und wir ihm mit unseren Widerstandskräften gemeinsam den Garaus machen werden!«

In dem Durcheinander auf dem Bebelplatz teilen Aktivisten weiße Sprechblasen aus Pappe aus. »Everyday I wake up on the wrong side of capitalism«, schreibt eine Frau darauf. Jemand anders ist optimistischer: »Es war nicht alles schlecht im Kapitalismus.« Selbst Touristen beteiligen sich. Zwei von ihnen sind Pierre und Caro aus Stuttgart. Die beiden machen gerade Urlaub in Berlin und sind durch einen Bericht in der Zeitung auf den Mayday gestoßen. »Wir müssen um unsere Löhne zittern und kämpfen, deshalb demonstrieren wir heute«, sagen sie.

Um kurz nach drei Uhr setzen sich die sieben Wagen mit lauter Musik in Bewegung. Auch viele Kinder sind dabei. Auf Transparente wird »Klimagerechtigkeit statt Wachstumswahn« gefordert oder zum »Bildungsstreik« aufgerufen. Mancherorts wird es konkreter: »10 Milliarden in kleinen Scheinen!« und »Mediaspree versenken!« steht auf Sprechblasen. Vorne fährt der Lautsprecherwagen der Flüchtlingsinitiative Berlin-Brandenburg und der Gruppe FelS. Sie fordern das Recht auf freie Gesundheitsversorgung »für alle, egal ob mit oder ohne Pass«.

Als es an der Friedrichstraße vorbei geht, fangen die Leute an zu pfeifen und zu johlen. Die Versammlungsbehörde hatte die ursprüngliche Route durch die Geschäftsstraße verboten, auch die Klage des Mayday-Bündnisses hatte keinen Erfolg gehabt. »Wenn das mit der Krise so weitergeht, müssen sie die Friedrichstraße bald zur Museumsstraße umbauen! Den Luxus kann sich ja keiner mehr leisten«, kommentiert die Moderation.

Durch die Glinkastraße zieht die Parade bis zur Wilhelmstraße. Vor dem Bundesministerium der Finanzen stehen schon die Einsatzkräfte der Polizei. »Kapitalismus abwracken! Her mit der Prämie«, schallt es vom Lautsprecherwagen. Plötzlich fliegen aus der Menge heraus rund 60 bunte Farbeier gegen die graue Fassade des Ministeriums. Die Polizei wirkt völlig überrascht. Wegen der vielen Schirme ist es unmöglich auszumachen, wer die Farbeier geworfen hat. Die Demo zieht weiter ihrem Ziel am Moritzplatz entgegen.

Auf dem Abschlusskonzert bilanziert Mayday-Sprecherin Hannah Schuster: »Die Parade war bunt, laut und ausdrucksstark. Wir haben deutlich gemacht, dass der Kapitalismus in all seinen Facetten eine permanente Krise ist.« Auch in vielen anderen deutschen und europäischen Städten fanden gestern Mayday-Paraden statt.

Quelle: Neues Deutschland, 2.5.09.

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