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Persönliche Stellungnahme zu den Auseinandersetzungen um die Montagsdemo

Veröffentlicht am 21.09.2004 Kategorie:
Auf der letzten Montagsdemo kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Lautsprecherwagen des schwarz-roten Blockes und dem MLPD - dominierten Montagsdemo - Bündnis. Da ich im Lautsprecherwagen saß, habe ich einige Ereignisse nicht, andere aber besonders gut und mit spezieller Perspektive mitgekriegt. Auch war ich an den Entscheidungen maßgeblich beteiligt -
niemand war auf diese Situation eingestellt, weshalb manches spontan entschieden werden musste, wobei man auch Fehler macht.

Wie kam es dazu?

In den letzten Wochen hatten die MLPD-Stalinisten jedesmal die Abschlusskundgebung von Attac und Co gestört. Sie agitierten dabei äußerst aggressiv gegen die "Spalter", welche nicht an dem fast ausschließlich von der MLPD (& Umfeld) favorisierten Sternmarsch teilnehmen möchten, sondern für die Großdemo am 2. 10. werben. Auch die FAU wirbt in ihrer Zeitung für den 2. 10., was sich einerseits daraus ergibt, dass sich aus historischen wie aktuellen Gründen eine enge Zusammenarbeit mit Stalinisten verbietet, und andererseits der 3. Oktober nationalistisch besetzt ist, was mit dem Ziel einer internationalen libertären ArbeiterInnenbewegung mit weltweitem
Klassenkampf nur schwer zu verbinden sein dürfte.

Der Stress

Attac und andere Organisatoren müssen sich im Vorfeld der letzten Demo überlegt haben, wie sie die Störungen verhindern können. Ihr Plan war dann offensichtlich, gegen Ende der Demo mit ein paar Lautsprecherwagen den Weg so zu blockieren, dass zwar die Leute, nicht aber der stalinistische Lautsprecherwagen durchkommt. Wir im Lauti erfuhren davon erst am Anfang der Demo, als wir von Leuten aus dem Umfeld der OrganisatorInnen angesprochen wurden, und mussten dann sehr spontan entscheiden, was wir tun. Da uns das aggressive Verhalten der
StalinistInnen anderen Demonstrationsteilnehmenden gegenüber gewaltig auf die Nerven gegangen war, sagten wir zu, unseren Lautsprecherwagen kurz vor Demoende entsprechend zu parken (um es nochmal zu betonen, das war keine Entscheidung der FAU, sondern eine vom Lauti - der Stress mit Lautimachen verhinderte, das Ganze noch mal mit GenossInnen zu besprechen).

Unangenehmerweise stand unser Lauti in der Mitte, weshalb sich der ganze Zorn des MLPD-Umfelds auf uns entlud. Die StalinistInnen griffen hierbei Ordner aus den anderen Blöcken tätlich an und bedrohten auch uns mit Schlägen und der Zerstörung des Lautis. Auf die Härte der Konfrontation waren wir nicht gefasst und zogen uns zurück.

Und nun?

Ich habe mich auch ziemlich funktionalisiert gefühlt von den Attac-Leuten, so dass die Lust, Lautsprecherwagen und Gesundheit zu riskieren, sich in Grenzen hielt. Zumal die Inhalte der Abschlusskundgebung, die wir da verteidigen helfen sollten, nur begrenzt die meinen sind (das gilt glaube ich auch für die FAU). Ich denke, dass es nicht lohnt an den DGB zu appellieren, am 2. 10. doch als Gesamtorganisation mitzumachen. Es ist besser für die Entstehung einer kämpferischen Gewerkschaftsbewegung, wenn sich die Führung fernhält (wie am 1.11.), die Basis aber kommt. Es nützt auch wenig, Verbesserungen zu fordern. Zugeständnisse kommen nur, wenn sich die VertreterInnen von Staat und Kapital existenziell bedroht sehen. (Trotz dieser Probleme, sehe ich diese Gruppen eher als mögliche Bündnispartner (*) an als die StalinistInnen, für die die Sowjetunion bis zu Stalins Tod das beste aller Systeme war und erst danach setzt der "Sozialimperialismus" ein.(**))

Zurück bleibt ein schales Gefühl und Unsicherheit, ob wir richtig entschieden haben oder ob man es den StalinistInnen und Attacies hätte überlassen sollen, sich in aller Ruhe zu kloppen. Hätte man nicht danebenstehen sollen und glücklich darüber lächeln, das man damit nichts zu tun hat? Ich weiß es nicht!

Vorwärts schauen!

Ok! Schluss jetzt! Es geht weiter! Man sollte sich von dem ganzen Müll nicht abschrecken lassen und weiterhin demonstrieren. Wir sehen uns bei den schwarz-roten Fahnen! Nächsten Montag und am 2. Oktober!

FüR LIBERTÄREN KOMMUNISMUS!

*Allerdings nur dann, wenn man sich im Klaren ist, dass Attac auf Bündnistreffen etc. mit Machtspielchen und Verfahrenstricks usw. seine Linie durchsetzt. Dabei besteht immer die Gefahr, dass soziale Bewegungen gewissermaßen domestiziert werden. So hat sich Attac auch erst sehr spät in die Anti-Hartz-Proteste eingeklinkt - nämlich erst kurz vor dem 1. November, als klar wurde, dass da was Größeres entsteht. Seither versucht Attac die Proteste inhaltlich zu dominieren und gerät dabei immer öfter mit MLPD-nahen Gruppen aneinander. Das Ärgerlichste an dem Ganzen ist, dass die Erwerbslosengruppen, die das Ganze ziemlich mit angestoßen haben, dabei immer mehr unter die Räder kommen.

**Im Übrigen: Wer ist hier Anti-Kommunist? Beinahe nirgendwo wurden so viele KommunistInnen ermordet wie in der stalinistischen Sowjetunion. Ist es nicht antikommunistisch, Stalinist zu sein?
Ich rede jetzt nicht von den anderen Opfern Stalins, den Bauern usw. Alle anderen linken Strömungen waren übrigens schon unter Lenin dran, darunter auch die AnarchistInnen. Wenn man also Kommunismus mit "Marxismus-Leninismus" identifiziert, dann bin ich Antikommunist! Im Gegensatz dazu sind mir rätekommunistische Strömungen durchaus sympathisch.

PS: Wenn ich in diesem Text das Wort "wir" gebrauche, bezieht es sich auf die im Lauti befindlichen Personen, nicht auf die FAU oder so etwas.

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