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Anarchosyndikalistischer Jahresrückblick der FAU Berlin 2017

Veröffentlicht am 18.01.2018 Kategorie:
Das Jahr 2018 hat begonnen und das Allgemeine Syndikat der FAU in Berlin startet mit seinem zehnjährigen Bestehen ins Jubiläumsjahr! Diese Gelegenheit wollen wir wieder einmal nutzen, um auf unser vergangenes Jahr zurückzublicken. Bei allen Hürden, die uns in den Weg gelegt wurden, konnte die FAU Berlin auch im Jahr 2017 den positiven Entwicklungstrend fortsetzen. Ein Mehr an Kämpfen brachte erneut ein Mehr an Mitgliedern. Den nationalistischen Trends dieser Zeit setzten wir zudem mit der ersten europaweiten Organisierungskampagne syndikalistischer und basisdemokratischer Gewerkschaften in der neuen Gig-Economy unseren Entwurf eines solidarischen Miteinanders entgegen.

Nationalismus ist keine Alternative - Internationalismus unsere Perspektive!

Die deliverunion-Kampagne sorgte ohne Zweifel für enormes Aufsehen und bescherte der FAU Berlin ein bundesweites Medienecho. Doch es ist nicht unbedingt die mediale Aufmerksamkeit, die diesen Kampf so bedeutend macht. Dass maßgeblich syndikalistische Gewerkschaften in einer europaweiten Kampagne der neu aufziehenden Gig-Economy und transnational agierenden Unternehmen spürbar auf die Pelle rücken, ist ein wichtiger Schritt des weltweiten Syndikalismus und verleiht dem internationalistischen Anspruch neues Gewicht.

Neben der europaweiten deliverunion-Kampagne nahm in diesem Sinne auch die Neugründung einer internationalen Vereinigung anarcho-syndikalistischer Gewerkschaften im letzten Jahr weiter Fahrt auf (zur alten Internationale siehe hier). Diese soll noch in diesem Jahr offiziell gegründet werden und bringt bereits jetzt mehr revolutionäre, klassenkämpferische und anarchosyndikalistische Gewerkschaften zusammen, als es bisher bestehende Zusammenschlüsse vermocht haben. In diesem Sinne stellte die FAU Berlin ihre Aktivitäten zum diesjährigen ersten Mai auch unter das Motto „Klassenkampf kennt keine Grenzen“.


Langstreckenläuferin im Klassenkampf …

Bereits im Kampf um die Mall of Shame mit den rumänischen Bauarbeitern zeigte die FAU, dass Solidarität grenzenlos ist. Zudem beweist sie durchaus einen langen Atem: Der Konflikt befindet sich in seinem nunmehr vierten Jahr. Geändert an den Zuständen im Baugewerbe hat sich nach Erkenntnissen der FAU Berlin wahrlich wenig und die verantwortliche Landespolitik zog, wie zu erwarten war, keine spürbaren Konsequenzen aus der Ausbeutung an der Mall. Die Subunternehmen sind inzwischen pleite. Die Generalübernehmerin FCL, an der Investor Huth nach Recherchen maßgeblich beteiligt gewesen sein soll, ebenso. Die meisten Arbeiter sind, wenn auch sicher reich an Erfahrungen der Solidarität, dennoch geprellt und ausgebeutet aus der Hauptstadt verschwunden. Der Skandal könnte demnach zu den Akten und würde vergessen werden wie eh und je. Die FAU Berlin entschloss sich jedoch, mit zwei verbliebenen Mitgliedern diesem sonst so „natürlichen“ Lauf der Ausbeutung trotzig die Stirn zu bieten. Sie entschied sich, einen Präzedenzfall zu schaffen und dafür zur Not bis vor die höchste Instanz, das Bundesarbeitsgericht, zu ziehen. Mittlerweile sind zwei Klagen vor dem Berliner Arbeitsgericht anhängig und in einem Fall des Berufungsverfahrens gegen die Investorfirma HGHI verhandelt worden. Und auch nach drei Jahren wird die FAU Berlin den Kollegen mit praktischer Solidarität, Rechtshilfe und moralischer Unterstützung den Rücken stärken.


… im alltäglichen Training

Vom Pflegeheim bis zum Sicherheitsdienst, vom Union Busting in einem linksalternativen Kultclub bis zum Belegschaftsaustausch bei einem schwul-lesbischen Bildungswerk (BLSB), von der einfachen Beratung bis hin zu Tarifverhandlungen – über mangelnde Konfliktherde und Abwechslung konnten wir uns wahrlich nicht beschweren. Zum Ende des Jahres wurde die FAU Berlin von der Geschäftsführung des BLSB massiv angegriffen, die aus Angst vor Maßnahmen der FAU versuchte, deren Tariffähigkeit infrage zu stellen. Unsere Antwort darauf war ein gelungener Warnstreik. Wie mächtig eine Gewerkschaft ist, entscheidet sich immer noch im Betrieb selbst. Und mit einigen neu gegründeten, gut aufgestellten Betriebsgruppen wird die FAU Berlin auch im kommenden Jahr unter Beweis stellen, wie mittels solidarischer und kämpferischer Gewerkschaftsarbeit die Bedingungen von Lohnabhängigen gemeinsam verbessert werden können. 

Unser Beratungsangebot ist weiterhin stark gefragt und mittlerweile auch Anlaufstelle für größere Belegschaftsgruppen. Passend dazu intensivierte die FAU Berlin die interne Bildung ihrer Betriebsgruppen und wird dies auch 2018 fortführen. Die interne Bildungsarbeit sowie die gewerkschaftlichen Aktivitäten wurden 2017 zudem durch ein spannendes und äußerst vielseitiges Veranstaltungsprogramm sowie den Austausch und die Zusammenarbeit mit Kiezinitiativen wie „Hände weg vom Wedding“ begleitet.


Gewerkschaft mit Profil

Weiterhin ist die FAU Berlin eine Gewerkschaft mit Profil. Die Neugründung der Mediensektion als Sektion Kultur und Medien verband sie mit dem Blick darauf, wie sich Kulturarbeiter*innen gegen Gentrifizierung organisieren können. Die union coop // föderation trat aus ihrem Schatten und bildet die erste gewerkschaftliche Kollektivbetriebsföderation in Deutschland und komplettiert mit ihrer engen Anbindung an die FAU den syndikalistischen Transformationsanspruch. Solidarität zeigte die FAU Berlin mit dem Generalstreik in Katalonien, zu dem unsere spanische Schwestergewerkschaft aufrief, sowie mit einem Arbeitskampf der CNT bei Ford. Die vorherige Mediensektion der FAU Berlin solidarisierte sich mit linksunten.indymedia sowie dem inhaftierten Journalisten Deniz Yücel, den einige Mitglieder noch persönlich kennen. Zum dritten Mal beteiligte sich die FAU Berlin außerdem zum 8. März an der Demo zum Frauenkampftag.


Wir haben uns vorgenommen…

Gerade in der gegenwärtigen politischen Lage müssen wir 2018 kollektiv stärker und nachhaltiger für unsere betriebliche, emanzipatorische und antikapitalistische Praxis eintreten. Das ist nicht immer einfach und die selbstorganisierte Gewerkschaftsarbeit und damit der Anspruch, uns selbst weiterzubilden und weiterzuentwickeln mit einigen Mühen verbunden. Dennoch sind wir überzeugt, dass sich das Ergebnis in Form der FAU Berlin nach zehn Jahren sehen lassen kann. Mit diesem Selbstbewusstsein starten wir sodann auch ins neue Jahr welches z.B. mit der TVStud-Kampagne das erste Jahr ist, in welchem die FAU Berlin von ihrer – in der deutschen Gewerkschaftslandschaft wahrscheinlich einmaligen – Regelung des Streikgeldersatzes Gebrauch macht, um ihre Mitglieder im Arbeitskampf zu unterstützen, die sich dem Streik einer anderen Gewerkschaft anschließen und eigene Inhalte transportieren wollen. Auch weitere Kämpfe und Konflikte stehen schon vor der Haustür. Und wer weiß, vielleicht schaffen wir es mit deinem Beitritt, auch den Rekord von 2017, welcher nahezu eine Verdopplung der bisherigen jährlichen Eintrittsgesuche bedeutete, erneut zu toppen und die FAU Berlin noch weiter als einen Akteur in der Hauptstadt zu verankern, um den man nur schwer herumkommt, wenn er an die Tür klopft.

 

In diesem Sinne

Eintreten. Mitmachen. Kämpfen. Gewinnen.

 

 

 

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Die kämpferische Gewerkschaft

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Offene Beratung für Kollektivbetriebe: Siehe die Beratungs-Seite der union coop // föderation.
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